Der Rhein ist über die Ufer getreten. Kommt uns schon die Deichtreppe entgegen! Der fünf-jährige Junge bleibt bei dem Anblick still auf dem Deich stehen und schaut. Schaut. Und Schaut. Dann sagt er: „Gleich sickert das Wasser ab, dann bleiben die Stöcke liegen.“

Er legt seine Hand in meine und wir gehen dem Rhein entgegen, aber: „Nicht auf der Treppe, da kommt er ja schon hoch!“. Nein, nur ich gehe auf der Treppe, er geht rechts daneben auf der steilen Wiese bis zur Wassergrenze.

Schwipp, schwapp. Da wogt es vor unseren Füßen auf und ab. Hebt den kleinen Krüsselkram hinauf und hinunter. Lauter braunes Zeug: Ganz viele kleine Stöckchen. Sie säumen die Wassergrenze. Wir untersuchen sie. Schieben sie mit einem Stöck auseinander. Und Prompt: „Da! Ein Schatz!“ Ein kleiner, ganz klitze kleiner ist es. Ein weißes Babyschneckenhaus. „Und noch eins. Noch kleiner“ – „Und noch eins!“ Ich lege sie in seine geöffnete Hand. Sein staunender Blick ruht auf den spiraligen Funden. So klein… So fein…“Mamä!“ ruft er, läuft zu ihr, „hier, du musst auf meinen Schatz aufpassen!“ und lässt seine Hand in ihrer großen Jackentasche verschwinden. Angespülte Haselnüsse und eine Eichel kommen noch dazu.

Große Stöcke gibt es hier auch, sie riechen nicht modrig, nein, nach Rhein! Wir ziehen sie raus. Glatte, verästelte, geweihartige, morsche und frische, alle auf einen Haufen. Nur den Baumstamm bekommen wir nicht zu packen. Zu packen schon, aber er ist zu schwer und wir zu weit weg, müssen ihn weiter vom Wasser umspülen lassen. Aber wir kommen wieder und werden dann ein Häuschen bauen! Ein Stockhäuschen! Und eine Flaschenpost abschicken. Denn eine schipperte an uns vorbei. In einer schönen, großen, weißen Glasflasche. Ganz genau sehen, ob Post drin war, konnten wir nicht, aber sehr wahrscheinlich schon.