Der Vortrag zur Nonverbalen Erziehung von Michaela Glöckler (erschienen in: Elternsprechstunde, Erziehung aus Verantwortung, Urachhausverlag) ist unser Leitfragen beim pädagogischen Telefonprojekt für Eltern. Im Folgenden schildere ich den Inhalt des letzten Gesprächs und welche Gedanken mir dazu noch kamen.

Nonverbal erziehen, ist erziehen ohne Worte. Es wird dem Kind durch eine klare Haltung und das Vorleben gezeigt, wie „es“ geht. Was auch immer das sei: Aufräumen, Schuhe anziehen, Zähneputzen, Umgang mit Fremden, Telefonieren… Der Erwachsene muss dafür nichts weiter tun, als sich selbst so zu verhalten, dass es für das Kind bekömmlich ist, wenn es sich eines Tages ebenso verhält. Die Eltern/Bezugspersonen sind (ob es ihnen bewusst ist oder nicht) das Vorbild des Kindes, an dem es sich in allem orientiert.

Zu der Idee, dass das nonverbale Erziehen eine kindgemäße Methode ist, kann man kommen, wenn man bedenkt, dass das kleine Kind ja alles, was es lernt, vollkommen ohne Erklärungen eines Dritten tut! Niemand erklärt ihm, wie es Kontrolle über seinen Körper gewinnt, was es tun muss, um sich aufzurichten, zu Gehen, Laute zu bilden, Worte und Sätze zu sprechen, mit Besteck zu essen, und so weiter. Es lernt diese Dinge einfach, indem es die Menschen, die es umgeben, wahrnimmt und nachahmt! Diese Tatsache lohnt sich, durch zu meditieren.

Was das Kind an Handlungen, bis in Tonfall, Mimik und Gestik hinein bei uns sieht, geht bei ihm in die eigene Bewegung über! Was es sinnlich wahrnimmt, geht direkt in seinen Willen und wird Bewegung! Es macht uns nach (und wird uns sehr ähnlich). Das passiert ohne Worte, nonverbal.

Um das siebte Lebensjahr beginnt sich das Lernen zu verändern. Der Erstklässler braucht zunehmend erklärende Worte für das, was er verstehen und lernen will. Es geht nicht mehr von alleine, ist anstrengender und dauert länger. Lernen ist auch bei dem kleinen Kind eine Willensanstrengung, wird aber nicht als mühsam, sondern voller Freude und Hingabe empfunden.

Solange das Kind aber noch die Fähigkeit hat, nonverbal zu lernen, sollten wir ihm diese Gabe nicht vorzeitig nehmen. Denn, indem es unter Einbezug seines ganzen Körpers unbewusst lernt, verbindet es sich auch immer tiefer mit ihm, seinem Körper. Es wird körperlich wendiger und geschickter. Es inkorporiert oder inkarniert sich.

Diese Phase des Einlebens in seinen physischen Leib verkürzen wir, wenn wir beginnen, sobald es Sprache im Ansatz hat, erklärend an es heranzutreten. Damit appellieren wir an seinen Verstand, den es noch nicht entwickelt hat und auch nicht braucht für sein Sinnerleben und die Lernschritte, die es bis zur Schulreife zu machen hat.

Indem wir das kleine Kind über seinen Verstand ansprechen, lösen wir seinen Willen, der noch unmittelbar an den Leib gebunden ist, von diesem ab. Es beginnt dann seine Wahrnehmungen verfrüht gedanklich zu verarbeiten und kann nicht mehr intuitiv und spontan seinen Impulsen folgen. Das Denken ist dazwischen geschaltet. Ein Symptom, des frühen Aufgewecktseins im Verstand ist, dass die Kinder befangen und schüchtern werden und sich ihrer Freude nicht mehr so unbefangen hingeben können.

Ein Aspekt, den Frau Glöckler nicht anspricht, ist auch das Gefühl des Verbundenseins. Das Gefühl verbunden zu sein mit seiner gesamten Umgebung, ist für die Entwicklung des Urvertrauens eine Voraussetzung. Es schwindet proportional zum Aufwachen des Verstandes. Wenn wir die intellektuelle Entwicklung des kleinen Kindes fördern, verkürzen wir damit auch die Zeit des Verbundenheitsgefühls.

Ein zu bedenkender Aspekt, ist auch der, dass Lernen und Wachsen zusammen gehören. Das Kind lernt nicht nur, es wächst auch. Lernen und Wachsen stehen in Wechselwirkung miteinander. Mit jeder Sinneserfahrung, die das kleine Kind bis zur Schulreife macht, formt es seine Organe bis in die feinsten Strukturen hinein aus. Für seine körperliche Ausreifung der Organe ist es hilfreich, wenn das Kind lange in der unbewussten, sinnlichen Lernphase der Nachahmung bleibt.